Mitten in unserer hertbstlichen Pause haben wir eine Entdeckung gemacht, die wir euch nicht vorenthalten wollen und rufen dazu auf, zur Lösung dieses Rätsel beizutragen. Seht selbst:
James Blake hat also – scheinbar weitgehend unbemerkt (im Internet findet sich dazu nichts) – im Frühjahr 2011 ein Musikvideo im Berliner Südwesten, unserer alten hood, gedreht. Nun stellen sich mehrere Fragen:
Handelt es sich bei der geheimen Bruderschaft um Schüler des nahegelegenen Werner-von-Siemens-Gymnasiums, auf dem auch wir zur Schule gegangen sind? Gab es Partys, von denen wir nichts wussten? Wieso darf das blonde Mädchen nicht bei ihren neuen Freunden bleiben? Und wieso überhaupt lässt James Blake ein Video an der Zehlendorfer Rehwiese mit einer sektenähnlichen Gruppe junger Schüler drehen, die gerne nachts im Garten tanzt und Spucke trinkt? Sicherlich nicht, um Bon Iver zuvorzukommen, der angeblich bald in der Kleinmachnower Einöde auf der Hakeburg mit unserem hiesigen Wildschweinchor die Vocals für sein drittes Album aufnimmt – die beiden sind schließlich mindestens seit ihrer jüngsten Kollaboration auf Blakes gerade erschienenen neuen EP gute Freunde.
Wer also zur Lösung dieser drängenden Fragen beitragen kann oder uns einfach nur mitteilen möchte, wie krass er das alles findet und was für nostalgische Erinnerungen dieses Video an die alte Rehwiese weckt, fühle sich herzlich dazu aufgerufen. Falls ich einfach nur schlecht informiert bin oder recherchiert habe, bitte ich um einen klärenden Link und entschuldige mich im Vorraus für den unnötigen Wirbel.
Simon
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
Dass man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg’ ein ferner Frühlingstag.
Theodor Storm (1817 – 1888)
So Leute – autumn’s sweet, we call it fall – wir machen’s uns gemütlich im Bandraum und sehen uns wieder zur Weihnachtszeit. Danke für den Sommer, bis bald!
Wir haben so ca. den Zenit des Sommers erreicht (nicht vom Wetter.., sondern zeitlich gesehen), es ist also nicht nur Halb-Zeit sondern sogar höchste Zeit und zwar für eine Zusammenfassung und eine kurze Prognose für alles was noch kommt.
Wie man schon bei Facebook, unserem praktischen Fastfood-Blog für den schnellen Eintrag zwischendurch, nachlesen konnte, war es schön im Juni. Wir hatten uns für den Karneval der Kulturen zwei Batterieverstärker bei Thomann bestellt, um endlich auch einmal ins Straßenmusikbusiness einzusteigen. Nachdem wir am ersten Tag noch selbstbewusst auf Mikrofone für die Stimmen verzichtet hatten (“wir singen ja laut genug, und wenn wir die Verstärker nicht ganz so laut aufdrehen..”) und am Ende des Tages nur noch krächzen konnten, waren wir am zweiten Tag schlauer, schonten unsere Stimmen und waren am Ende so begeistert vom Straßenmusizieren, dass wir gleich zwei Tage später unsere Zelte vor der Waldbühne beim Kings of Leon-Konzert aufschlugen. Nachdem allerdings unsere CDs nach nur einer halben Stunde vom fleißigen Charlottenburger Ordnungsamt beschlagnahmt wurden und wir ein paar Tage später auch noch Post bekamen, in der man um uns eine milde Spende von 35€ bat, waren wir nicht mehr ganz so begeistert. Aber wenigstens haben wir bei dieser ganzen Straßenmusikaktion einen potentiellen Ersatz-Frontmann kennen gelernt, dessen Rampensau-Qualitäten und abgefahrene Dancemoves ihr im Video vom Karneval bewundern könnt.
Weiter ging es bei unseren Freunden von Men Should Brothers Be in Dresden, mit denen wir zusammen einen Auftritt auf frisch verlegtem Rollrasen vor dem Madness in Dresdens Neustadt gespielt hatten. Es war zunächst mit einer Regenwahrscheinlichkeit von annähernd 100% gerechnet worden und als ich am Tag zuvor besorgt Martin von MSBB anrief, um zu fragen, was man denn in dem Fall mache, sagte der nur: “Klar, die haben hier ‘ne Plane und so, aber ich sage dir, ich gehe jetzt seit Jahren zur BRN und es hat noch nie geregnet und das wird es auch nicht. Es gibt keinen Regen auf der BRN.” – und er sollte Recht behalten, das Wetter hielt und der Gig war super.
Wir werden ab jetzt übrigens Stammgäste auf der Bunten Republik Neustadt sein, egal ob wir spielen oder nicht – das ist Wahnsinn, was da abgeht! Tausende sind unterwegs, durch jede noch so winzige Gasse im engmaschigen Neustädter Straßennetz drängen sich die Menschenmassen, überall spielen Bands auf der Straße, Lautsprecherboxen sind aus Fenstern auf die Straße gerichtet, vor denen sich eine Traube Tanzwütiger formiert und Leute verkaufen selbstgemachte Milkshakes mittels selbstgebauten Flaschenzügen – ebenfalls aus ihrer Wohnung. Und nächstes Jahr bleiben wir auch noch bis zum krönenden Abschluss, wenn die Neustädter am Sonntagmorgen Tische und Stühle auf die Straße bringen und es so auf die längste Frühstückstafel Deutschlands bringen – verrückte Sachsen!
Und schließlich Fête de la Musique im Lido, die 3. große Sommerparty im Juni, auf der wir gespielt haben. Ich spare mir jetzt einfach mal ein paar Buchstaben und leite weiter zum Artikel von Emergenza in unserer Press-Rubrik, in dem ihr alles nachlesen könnt. Das Lido platzte in der Tat aus allen Nähten; selbst als wir nur unser Equipment rausschaffen wollten, hatten wir Schwierigkeiten überhaupt rauszukommen, weil draußen Dutzende den Eingang verstopft hatten…
Die beiden letzten Wochen waren Dani und ich dann auf uns allein gestellt. Jonathan schuftete in Thailand, Malte erkundete die atemberaubend schöne Bibliothek (oder umgekehrt) und wir entschieden uns, die Zeit mal anders zu nutzen und mit unseren Akustikgitarren ein paar Open Stages zu besuchen. Auch das hat Bock gemacht und wir werden das demnächst auf jeden Fall öfter machen. Falls ihr uns also auch mal auf so kleinen Bühnen sehen wollt, schaut einfach in die “Dates” auf dieser Seite – womit wir an dem Punkt angekommen sind, was wir diesen Sommer noch so vorhaben:
Es wird noch einige größere Auftritte geben, auf die wir uns schon freuen. So spielen wir jetzt am Freitag im Chesters auf einem Benefizkonzert für das indische Kinderdorf “Snehalayam”, das ist ne echt gute Sache – bei Facebook gibt’s schon ein Event dazu, in dem ihr alles nachlesen könnt. Weitere Auftrittsorte sind: Bergfunk Open Air, Brandenburger Tor, Sage Club, Zur Möbelfabrik – mehr dazu bald.
Zum Schluss ein großes Dankeschön an unsere Webmasterin und Fotografin Elli, die unsere Homepage einem größeren Update unterzogen und – vor allem – wieder hammer Bilder während der letzten Gigs in Dresden und Berlin gemacht hat. Wenn ihr euch für Fotos interessiert, geht auch mal auf elleeka.de, da gibt’s mehr davon.
Bis bald. S.
PS: So schön das Musikmachen zur Zeit ist, gewisse Dinge kann man leider nicht ausklammern. Angesichts der Geschehnisse in Oslo und anderen schlimmen, traurigen oder besorgniserregenden Ereignissen in Europa und auf der Welt, die im Moment durch die Nachrichten geistern, fiel es mir echt nicht so leicht wie sonst diesen Eintrag zu schreiben und ich hab hin und her überlegt, ob man da etwas zu sagen sollte oder nicht. Schließlich gehen diese ganzen Dinge – 2011 scheint ja leider, im negativen Sinne, ein ereignisreiches Jahr zu sein – auch an uns nicht einfach vorbei.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es als Band sicherlich nicht unbedingt sein muss, dass wir solche Dinge großartig kommentieren – stattdessen wollen wir aber kurz auf ein bald 50 Jahre altes Stück Musik hinweisen, das den meisten sicher bekannt sein dürfte und recht harmlos daher kommt, bezogen auf den Text aber leider nichts von seiner Aktualität verloren hat.
So. Endlich sind wir wieder vollständig, Dani ist aus Wien zurückgekehrt und die Kutsche (an alle treuen Leser dieses Blogs) ist sehr schön geworden. Also ziehen wir wieder los und machen Musik – ab morgen findet ihr uns jeden Tag irgendwo auf dem Karneval der Kulturen, unplugged mit Cajón und Melodica. Das ist aber nur der Anfang für die nächsten anderthalb Wochen, denn am Wochenende drauf besuchen wir Men Should Brothers Be in Riesa, spielen mit ihnen auf der Bunten Republik Neustadt in Dresden und kurz darauf zurück in Berlin auf der Fete de la Musique im Lido.
Und – Überraschung – wir haben unseren Song Circus aufgenommen, free for all.
Download gibt’s hier
Zuerst die guten oder die schlechten Nachrichten? Erst die guten, auch wenn es etwas düster anfängt…
Als wir vergangenen Freitag auf dem Weg nach Riesa über Land durch zahlreiche kleine Dörfer fuhren, bot sich uns ein erinnerungswürdiger Anblick. Das Wetter war scheiße, der dunkelgraue Himmel hing tief und es war neblig. Wie man das auch hier aus der Umgebung kennt, erinnern nicht wenige dieser Dörfer an Geisterstädte, in denen nur der Blitzer hinter dem Ortseingangsschild menschliches Leben vermuten lässt. Dort stehen viele Häuser leer, die Fenster sind mit Brettern vernagelt, Störche haben ihre Nester auf den Schornsteinen von Ruinen gebaut und man sieht nie eine Menschenseele. Genau hier, so lehrte uns der Tatort, geschehen rätselhafte Verbrechen und verschwinden Menschen spurlos.
Doch inmitten dieser trostlosen Kulisse, nachdem wir bereits an einem mit kalten, hohen Mauern und Stacheldraht gesicherten Gefängnis und einer wirklich riesigen Holzfabrik, deren größter Schornstein all die grauen Wolken auszuspucken schien und die einen in ihrer erdrückenden Wucht und gleichzeitigen Kargheit regelrecht deprimierte, vorbeigekommen waren, erlebten wir plötzlich einen unverhofften Kontrast. Die Einfahrt eines der kärgsten Häuser weit und breit – alter, brauner, Putz bröckelte von den Wänden ab – war mit Dutzenden bunter Luftballons geschmückt. Am Einfahrtstor hing ein liebevoll gemaltes Plakat, auf dem mit farbenfrohen Buchstaben stand: “Alles Gute zum 100. Geburtstag”.
So finden sich also selbst in in einer solch trüben Landschaft Zeichen von Lebensfreude und Fröhlichkeit.. war also schon irgendwie ein beeindruckendes Bild. Und auch wenn das eigentlich gar nichts mit allem, was musikalisch innerhalb der letzten Woche so bei uns passiert ist, zu tun hat, wollte ich euch das doch einfach erzählt haben – wäre schade man hätte es nicht aufgeschrieben und außerdem war es der Anfang eines tollen Wochenendes! (…weiterlesen.)
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© 2012 by Elisabeth Körner & The Perfect Pineapple




